Es regnete an diesem Morgen auf dem Camino und ich war auf dem Weg nach Portomarin.
Die Tropfen fielen gleichmäßig auf den Weg und begleiteten jeden meiner Schritte, als würden sie den Rhythmus dieses Tages bestimmen.
Ein Stück vor mir ging ein Mann mit einem schwarzen Regenschirm. Er wirkte ruhig und zugleich ein wenig geheimnisvoll und ich blieb eine Weile hinter ihm, bevor ich langsam zu ihm aufschloss.
Wir gingen ein paar Schritte nebeneinander weiter – zwei Menschen auf demselben Weg, ohne uns zu kennen und ohne miteinander zu sprechen. Und doch entstand in diesem Moment eine Verbindung, die ich nicht erklären kann.
Es war, als würde etwas zwischen uns mitschwingen, leise und selbstverständlich, jenseits von Gedanken und Worten.
Dann hielt er ganz selbstverständlich seine Hand ein wenig zur Seite. Und ich griff ebenso selbstverständlich in meine Tasche und legte ihm eine Münze hinein. Es brauchte keine Worte. Es war einfach klar.
Ein stilles Einvernehmen, getragen von Vertrauen in diesen Augenblick.
Nach ein paar Schritten trennten sich unsere Wege wieder und jeder ging für sich weiter. Der Regen blieb und doch fühlte sich der Weg auf einmal leichter an, als hätte sich etwas in mir geöffnet.
Ich weiß bis heute nicht, wer er war und wohin er gegangen ist. Und doch denke ich immer wieder an diesen kurzen Moment zurück.
Vielleicht, weil es Begegnungen gibt, die keine Erklärung brauchen und dennoch lange in uns nachklingen. Vielleicht, weil der Camino uns genau solche Augenblicke schenkt – leise, unscheinbar und doch von einer Tiefe, die weit über den Moment hinausreicht.
Augenblicke, in denen Geben und Empfangen ineinanderfließen und für einen Moment alles eins wird.
Buen Camino