Manche Orte leuchten noch lange in einem nach. Nicht, weil sie besonders groß oder eindrucksvoll wären – sondern weil sie still, warm und voller Menschlichkeit sind.
Beim Schreiben eines neuen Kapitels über meine Pilgerreise auf dem Jakobsweg 2017, wurde heute eine dieser Erinnerungen wieder ganz lebendig: die Herberge bei Christin in Villares de Órbigo.
Dort war nichts Lautes – und doch alles Wesentliche. Begegnung, Tiefe, Stille, Gemeinschaft.
Ein Abend, der mir gezeigt hat, wie sehr der Camino auch im Inneren weitergeht.
Leseprobe aus meinem neuen Manuskript:
Helen erzählt mir, dass sie vor vier Jahren ein Stück des Caminos mit ihrer Tochter gegangen ist. Ihre Erzählung berührt mich – vielleicht auch, weil sie etwas in mir zum Klingen bringt: den leisen Wunsch, eines Tages selbst mit meiner Tochter diesen wundervollen Weg zu gehen.
Helen und ihre Tochter befanden sich damals in einer schwierigen Phase – auf der Suche nach einem neuen Miteinander. Tastend, manchmal im Streit, dann wieder in Verbundenheit. Sie waren voller Hoffnung und zugleich unsicher, ob sie einander wirklich erreichen konnten.
Helen erzählt, dass der Weg sie einander nähergebracht habe – obwohl sie sich vorher oft fremd waren. Sie hatten geschwiegen, gestritten und geweint – aber auch gemeinsam gelacht und geteilt, was sonst ungesagt geblieben wäre.
Während sie sprach, spürte ich, wie sehr mich ihre Geschichte berührte. Ich dachte an meine Tochter – und wie sehr sie mir in diesem Moment fehlte.
Der Abend klingt langsam aus. Kerzen flackern auf dem Tisch, es wird erzählt, gescherzt – und manchmal einfach nur geschwiegen. Die besondere Atmosphäre dieses Ortes, die Menschen hier und das gute Essen wirken lange nach.
Als wäre dieser Abend ein stilles Geschenk des Caminos – zart, tief und kraftvoll zugleich. Ich bin dankbar, hier zu sein.


Solche Momente sind es, die den Camino so besonders machen: Begegnungen, die nachhallen, Gedanken, die wachsen dürfen, und Augenblicke, in denen sich das Herz leise öffnet.
Wenn ich heute zurückdenke, bin ich nicht nur dort gewesen – ich war unterwegs zu mir selbst.
Ich freue mich sehr, bald weitere Ausschnitte aus meinem Buch mit euch zu teilen. Vielleicht erkennt sich die eine oder der andere wieder – in der Sehnsucht, der Stille und in der Hoffnung.
Und wer den Camino noch vor sich hat: Es warten Geschenke, dort draußen. Und in euch.
Buen Camino,
Manuela