„Und irgendwann war klar: Ich muss gehen.“
Manchmal beginnt eine Reise nicht mit dem Buchen eines Tickets oder dem Packen eines Rucksacks. Sondern mit einer Sehnsucht. Einer inneren Unruhe, die nicht laut wird, aber auch nicht mehr verschwindet.
So war es bei mir.
Bevor ich den ersten Schritt auf dem Jakobsweg ging, ging ich viele – innerlich. Und lange blieb dieser Weg unsichtbar. Versteckt zwischen Alltag, Routinen und einem leisen Wissen:
Da ist etwas, das auf mich wartet.
Ein Moment des Innehaltens. Ein früher Morgen. Ich sitze am Fluss, das Tagebuch auf den Knien, der Rucksack schon gepackt. Noch bin ich nicht unterwegs – aber alles in mir weiß: Jetzt beginnt es.
Der Ruf – ein Text aus meinem Vorwort
Manche Wege beginnen nicht auf der Landkarte. Sondern tief in unserer Seele.
Wie ein fernes Flüstern aus verborgener Quelle. Sanft, aber eindringlich. Es hinterließ ein leises Leuchten in mir – kaum hörbar, aber immer wieder fühlbar. Eine Erinnerung an etwas, das ich bisher nie erfahren, aber immer schon gewusst hatte. Und irgendwann war klar: Ich kann nicht länger warten. Ich muss diesem Ruf folgen.
Zehn Jahre lang hab ich den Traum vom Jakobsweg in mir getragen. Es war kein Reiseziel, kein spontaner Wunsch – sondern ein lang ersehntes Verlangen,
das über viele Jahre in mir gewachsen war.
Ich begegnete Menschen, die vom Camino zurückkehrten – und etwas in ihnen schien von innen zu leuchten. Nicht laut, nicht sichtbar, aber spürbar.
Sie waren verwandelt. Nicht in ihrem Äußeren, sondern im Blick, in der Stimme, in einer sanften, tiefen Ruhe, die aus ihrer Mitte kam.
Sie hatten ihren eigenen Frieden gefunden und neue Entscheidungen getroffen.
Ich wusste damals: So will ich mich auch fühlen. Irgendwann.
Dieser Traum wachte wie ein stiller Stern über mir und wurde zum inneren Anker. Er trug mich durch Zweifel und Herausforderungen –
und durch viele Jahre, in denen ich nicht genau wusste, wohin ich gehöre.
Und er begleitete meinen Alltag, der äußerlich perfekt funktionierte. Aber innerlich blieb eine leise, heilige Leere –
erfüllt von einem stillen Drängen, dem ich noch keinen Namen geben konnte.
Wie ein Lied, das in mir klang, ohne je gesungen zu werden –
auf der Suche nach dem einen Ton, der es befreit.
Ich habe diesen Traum wie einen Schatz gehütet und tief in mir getragen – auch wenn ich noch nicht wusste, wann.
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Jetzt fügt sich alles zusammen. Heute weiß ich: Nichts davon war zufällig.
Die Jahre des Wartens, mein innereinneres Leuchten, das erste Wort im Tagebuch. Damals erschien mir vieles wie einzelne Fragmente. Heute sehe ich das Ganze:
Ein Weg, der längst begonnen hatte, bevor ich ihn wirklich ging.
Und plötzlich ergibt alles Sinn.
Nicht perfekt. Aber echt. Und verbunden. Von innen heraus.
Vielleicht trägst auch du so einen Ruf in dir. Eine Ahnung, dass es Zeit ist, loszugehen – egal, wohin.
Dann nimm diesen Text als Einladung.
Zum Hinhören.
Zum Innehalten.
Zum Vertrauen.
Denn manchmal beginnt der wichtigste Weg nicht draußen.
Sondern ganz still.
In dir.
