Regen, Wiesen und Kindheitsträume – Eine persönliche Hommage an den Duft des Regens
Es gibt Gerüche, die tragen Erinnerungen in sich. Der Duft von Regen gehört für mich dazu.
Nicht einfach nur der Regen an sich – sondern dieses besondere Aroma, wenn die ersten Tropfen auf den staubigen Boden fallen, wenn feuchtes Gras und Blüten ihre Düfte freigeben, und die Luft plötzlich frisch, lebendig und ein wenig geheimnisvoll riecht.
Ich erinnere mich an meine Kindheit auf dem Land, an diese endlosen grünen Wiesen, die im Frühling übersät waren mit bunten Blumen.
Wenn der Regen kam, lag dieser besondere Zauber in der Luft. Der erste Klatschmohn zeigte sich zaghaft am Feldrand, während in der Ferne der Donner grollte.
Drinnen, hinter halb geöffneten Fenstern, hörte ich das Prasseln auf dem Fensterbrett und das leise Trommeln gegen die Fensterscheiben.
Eine Freundin und ich saßen dann oft auf dem Bett, beobachteten, wie die Tropfen an der Scheibe hinunterrannen und rochen die feuchte, nach Erde und Blättern duftende Luft, die durch das Fenster hereinkroch.
Manchmal überraschte uns der Regen draußen. Dann rannten wir los, suchten Schutz in der alten Bushaltestelle in der Siedlung – unsere kleine Höhle, unser Rückzugsort.
Die Clique kicherte, quetschte sich in das kleine Haus, während der Regen immer stärker wurde.
Wenn wir keine Lust hatten zu warten, zogen wir uns Plastiktüten über die Köpfe oder unsere Kapuzenjacken, so tief es ging, ins Gesicht – und wir ließen uns einfach nass regnen und sprangen mit voller Wucht in die Pfützen, dass das Wasser bis zu unseren Knien spritzte.
Heute, wenn es regnet und dieser vertraute Duft durch die Straßen zieht, bin ich plötzlich wieder 12 Jahre alt. Barfuß, durchweicht, frei – und vollkommen glücklich.
