Kaffee, Kopfwind und die Frage nach dem Wir🙏
Ich sitze in einem kleinen Straßencafé, die Sonne wärmt mir das Gesicht, eine Tasse Kaffee steht vor mir. Ich streiche mir gedankenverloren eine Haarsträhne aus dem Gesicht und lausche den Stimmen um mich herum – Lachen, Gesprächsfetzen, Sommer Laune. Und doch spüre ich eine merkwürdige Leere inmitten dieser Betriebsamkeit. So als wäre ich gleichzeitig in dieser Welt – und irgendwie doch außerhalb von ihr.

Es ist ein Gefühl, das mich in letzter Zeit öfter begleitet. Vielleicht, weil ich viel beobachte, zuhöre und vielleicht auch, weil ich gerade wieder schreibe – an meinem Buch über den Jakobsweg, den ich 2017 gegangen bin und mich so gern daran erinnere.
Ich erinnere mich an Spanien, an das Leuchten in den Augen eines Mitpilgers, an die Kraft des Gehens, an das Gespräch ohne Worte. Kein großes, lautes Gemeinschaftspathos. Eher etwas Zartes, Unaufdringliches. Ein freundlicher Blick beim Abendbrot in der Herberge, das stille Teilen von Wasserflaschen, das gegenseitige Pflasterkleben auf offenen Blasen. Und das Wissen: Wir gehen gemeinsam. Auch wenn jede*r für sich geht.
Vielleicht, denke ich, liegt darin schon ein kleiner Widerstand gegen die Kälte, die manchmal zwischen uns wächst: Erinnern. Erzählen. Echtes Zuhören.
Damals war vieles anders. Die Begegnungen. Die Stille. Die Klarheit. Vor allem aber: die Verbundenheit🙏.
Damals in Spanien, zwischen staubigen Wegen, schlichten Herbergen und der wortlosen Sprache müder Pilgeraugen, war sie da: diese leise Selbstverständlichkeit, Teil eines größeren Ganzen zu sein. Ein Blick, ein Nicken, ein geteiltes Brot – und man wusste: Wir gehören zusammen, wenigstens für diesen Moment.

Und heute? Hier, in diesem Land, frage ich mich: Haben wir das WIR verlernt?
Vielleicht. Aber vielleicht schlummert es auch nur – wie eine Erinnerung, die darauf wartet, wieder geweckt zu werden. In einem echten Gespräch. In einer helfenden Geste. In einem Moment, in dem wir den Mut haben, uns wirklich zu zeigen. Ich glaube daran. Denn wer einmal auf dem Camino gespürt hat, wie leicht Nähe entstehen kann, weiß: Das WIR ist nicht verloren. Es ist möglich. Immer wieder. Auch hier. Auch jetzt♥️.
Ich wünsche mir, dass wir dieses Wir wiederfinden. Nicht als Schlagwort, sondern als stille Praxis im Alltag. In einem Lächeln. In einem echten „Wie geht es dir?“. In einem langsamen Moment, in dem man sich erlaubt, die Hand auszustrecken. Oder einfach nur gemeinsam in der Sonne zu sitzen – schweigend, verbunden🙏.
