Lange Zeit habe ich geglaubt, dass ich nur genug verstehen, nur genug geben oder nur genug an mir arbeiten mรผsste, damit Dinge wieder gut werden… ๐ค
Und natรผrlich lohnt es sich, auf sich selbst zu schauen. Sich zu hinterfragen. Zu wachsen und Verantwortung fรผr den eigenen Anteil zu รผbernehmen.
Der Jakobsweg ๐ฃ hat mir genau das beigebracht.
Wochenlang mit sich selbst unterwegs zu sein, lรคsst wenig Raum zum Ausweichen. Irgendwann begegnet man sich selbst. Den eigenen Mustern. Den eigenen รngsten und Sehnsรผchten.
Ich habe auf dem Camino gelernt hinzuschauen. Nicht bei den anderen. So der bei mir selbst.
Und ich hab mir viele Fragen gestellt๐คท๐ผโโ๏ธ:
โช๏ธ Was brauche ich wirklich?
โช๏ธ Was tut mir gut?
โช๏ธ Wo verrate ich mich selbst?
โช๏ธ Und wo darf ich noch klarer werden?
Doch der Weg hat mir noch etwas anderes gezeigt: Nicht jede Enttรคuschung entsteht, weil wir etwas falsch gemacht haben.
Manche Konflikte haben mit auch mit Mitmenschen zu tun.
Mit unterschiedlichen Wahrnehmungen.
Mit alten Verletzungen oder Missverstรคndnissen, die sich im Moment nicht auflรถsen lassen.
Und manchmal reicht es nicht, wenn nur einer bereit ist hinzuschauen. ๐ค
Eine Verbindung kann nur wachsen, wenn beide bereit sind, ihren Anteil zu erkennen, zuzuhรถren und dem anderen wirklich zu begegnen.
Das liegt jedoch nie allein in unserer Hand. ๐คท๐ผโโ๏ธ
Lange habe ich geglaubt, dass Liebe bedeutet, geduldig zu sein, zu verstehen, auszuhalten und immer wieder Brรผcken zu bauen. Heute sehe ich das etwas anders.
Liebe darf auch bedeuten, sich selbst nicht zu verlieren.
Der Camino hat mich gelehrt, dass Selbstliebe kein egoistischer Akt ist. Sie bedeutet, die eigenen Bedรผrfnisse ernst zu nehmen. Sie bedeutet, die eigene Wahrheit nicht kleinzureden.
Und sie bedeutet, zu *erkennen, wann man auf etwas wartet, das der andere vielleicht gar nicht geben kann oder geben mรถchte.
Manchmal sitzen Menschen jahrelang auf einer inneren Warteliste.
Sie warten auf Klarheit.
Auf Wertschรคtzung.
Auf ein Gesprรคch.
Oder auf eine Entscheidung…
Und wรคhrend sie warten, stellen sie sich selbst immer weiter hinten an.
Genau dort beginnt fรผr mich die Bedeutung dieses Satzes: Ich muss mich nicht verlassen, um geliebt zu werden.
Nicht im Sinne von: Ich bin wichtiger als jemand anderes. Sondern im Sinne von:
Ich darf mich fรผr ein Leben entscheiden, in dem Respekt, Ehrlichkeit und Wertschรคtzung ihren Platz haben. ๐
Ich darf aufhรถren, meinen Wert davon abhรคngig zu machen, ob ein anderer Mensch ihn erkennt.
Ich darf akzeptieren, dass ich niemanden รผberzeugen kann, meine Sichtweise zu verstehen.
Und ich darf weitergehen, wenn ein gemeinsamer Weg im Moment nicht mรถglich ist.
๐ซ Vielleicht ist genau das eine der grรถรten Erkenntnisse, die ich vom Jakobsweg mit nach Hause gebracht habe:
Wer viele Kilometer mit sich selbst gegangen ist, beginnt irgendwann zu wissen, wer er ist.
Doch, man weiร nicht alles. Man macht weiterhin Fehler. Und man lernt weiter.
Aber tief im Inneren entsteht eine Klarheit –
diese leise Stimme, die sagt:
Das fรผhlt sich richtig an.๐
Und das nicht!
Das tut mir gut.
Und das nicht!
Der Camino hat mir diese Stimme nicht geschenkt. Er hat mir geholfen, sie wieder zu hรถren. ๐
Und deshalb bedeutet dieser Satz fรผr mich heute etwas ganz Einfaches:
Ich darf mir selbst treu bleiben.โค๏ธ
Auch dann, wenn das bedeutet, einen Weg weiterzugehen, den ich ursprรผnglich nie allein gehen wollte.
๐ Buen Camino.
Lass dich hier an die Verรถffentlichung meines neuesten Buches erinnern ๐.
