Es gibt Tage auf dem Camino, da passiert äußerlich nicht viel. Und doch verändert sich etwas. Ich erinnere mich an eine Strecke, die sich getragen anfühlte. Mein Körper war im Rhythmus, der Blick weit, und meine Gedanken ganz ruhig. Es war, als hätte der Weg aufgehört, Fragen zu stellen. Ich musste nichts entscheiden, nichts klären. Ich durfte einfach nur gehen.
Je länger ich unterwegs war, desto mehr hat sich dieses Gefühl eingestellt. Der Camino wurde weicher. Nicht, weil er leichter wurde, sondern weil ich aufgehört habe, ihn kontrollieren zu wollen. Ich war da, Schritt für Schritt, ohne vorauszudenken.
Beim Schreiben heute spüre ich genau das wieder. Auch hier zu Hause gibt es ein Gehen. Kein äußeres, sondern ein inneres.
Ein Dranbleiben. Ein Vertrauen darauf, dass sich etwas ordnet, wenn ich mir Zeit lasse
und meinem Rhythmus folge.
Damals auf dem Camino habe ich gelernt, dass Präsenz nichts ist, was man erzwingen kann. Sie stellt sich ein, wenn man aufhört zu hetzen. Wenn man den eigenen Schritt achtet. Wenn man nicht schon beim Ziel ist,
während man noch unterwegs ist.
Ich bin seit fast zehn Jahren wieder zurück. Vieles von dem, was der Weg mir gezeigt hat,
gehört längst zu meinem Alltag.
Und doch merke ich jetzt, wie das Schreiben diese Erfahrungen nocheinmal ganz neu lebendig macht. Als eine Erinnerung an eine Haltung, die mich bis heute begleitet.
Der Camino wirkt weiter.
Im Gehen.
Im Schreiben.
Und mitten im Leben.
Hinweis zum Weiterlesen
Dieser Text ist Teil eines größeren Schreibprozesses.
Aus meiner Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg 2017 entsteht gerade ein Buch –
eine sehr persönliche innere Reise, die den Weg von damals
mit dem Leben heute verbindet. Der Blog begleitet diesen Prozess. Hier teile ich ausgewählte Leseproben, Gedanken und Verbindungen,
die sich beim Schreiben zeigen.
In einem separaten Beitrag werde ich in den nächsten Tagen noch einmal genauer erzählen, worum es in diesem Buch geht und wie sich diese innere Reise entfaltet.
Wenn du den Weg weiter mitgehen möchtest,
bist du hier genau richtig 🙂 .